Bild_Layout_oben

Willkommen beim Ilona Hupe Verlag

Der Spezialist für Afrika

Wichtiger Hinweis:
Dieser Beitrag wurde von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert, ersetzt aber keine fachärztliche Beratung!
 

Erkenntnisse und Medikamente zum Thema Malaria

Der Malariaverlauf
Die Erreger (Plasmodien) werden durch den Stich der weiblichen Anophelesmücke übertragen. Dabei gelangen die Sporozoiten (Sichelkeime) in den Blutkreislauf und innerhalb weniger Minuten in die Leberzellen. Dort vermehren sie sich zu Schizonten, aus denen sich dann Tausende von Merozoiten entwickeln. Diese gelangen nach der Inkubationszeit von 8 - 28 Tagen (je nach Malariatyp) ins Blut und befallen die Erythrozyten (roten Blutkörperchen). Dort vermehren sie sich weiter, die Blutkörperchen werden aufgebraucht und aufgelöst. Die dabei freigesetzten Substanzen der Parasiten erzeugen die typischen Fieberanfälle. Die freigewordenen Parasiten suchen sich neue Blutkörperchen und zerstören auch diese.Nach einem weiteren Entwicklungsstadium entstehen nach ca. 11-24 Tagen Gamonten, die bei einem Stich wieder von Mücken aufgesaugt werden können.

Das Biochemie-Zentrum Heidelberg und Arbeitskreis Tropenmedizinische Forschung Heidelberg (TMH)
http://www.uni-heidelberg.de

schreibt dazu:

“Die Malariaerreger, winzige Parasiten der Gattung Plasmodium, werden durch den Stich weiblicher Anophelesmücken übertragen. Zur Krankheit kommt es, wenn sich diese Parasiten in Erythrozyten, den roten Blutkörperchen des Menschen, hochtourig vermehren. Immer neue Erythrozyten werden in diesem ungeschlechtlichen Vermehrungszyklus der Erreger befallen. Nur ein geringer Teil der Parasiten entwickelt sich zu Gametozyten, mit denen sich Anophelesmücken bei einer Blutmahlzeit infizieren können. Von den drei klassischen Formen der Malaria (Tropica, Tertiana und Quartana) ist die Malaria tropica, nach ihrem Erreger auch Falciparum-Malaria genannt, die weitaus gefährlichste. Das klinische Bild der Malaria ist bestimmt von heftigen Fieberschüben. Bei der Malaria tertiana kommt es an jedem dritten Tag zu hohem Fieber, bei der Malaria quartana an jedem vierten, bei der Malaria tropica ist das Fieber unregelmäßig. Ausgelöst werden die Fieberschübe durch das Platzen der Erythrozyten, wobei 10-20 g Fremdprotein direkt in die Blutbahn freigesetzt werden. Damit ist die Malaria die Sepsis, die Blutvergiftung, schlechthin.
Die Fieberschübe beginnen mit stundenlangem Schüttelfrost, dann folgt ein etwa zweistündiges Fieberplateau, und anschließend entfiebert der Patient mit erschöpfenden Schweißausbrüchen. Ein solcher Schub kostet bis zu 5000 kcal. Dies und die Tatsache, daß parasitierte Erythrozyten etwa 100mal soviel Glucose verbrauchen wie normale Zellen, können zu lebensbedrohender Erschöpfung der Energiereserven des Patienten führen. Zum Krankheitsbild der Malaria gehören neben Fieber ein vernichtendes Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen sowie eine ausgeprägte und bei Kindern oft groteske Vergrößerung der Milz. Die Milz ist das Organ, in dem die parasitierten Erythrozyten aus dem Blut abgefangen und zerstört werden - sie muß daher enorme Entgiftungs- und Stoffwechselleistungen vollbringen.”

Die Diagnose der Malaria
Die Diagnose erfolgt durch eine mikroskopische Untersuchung des Blutes. Dabei ist es vorteilhaft, eine Blutprobe bei Fieber zu entnehmen, da in fieberfreien Phasen meist keine Parasiten im Blut feststellbar sind. Im südlichen Afrika kann jedes Krankenhaus diese Untersuchung vornehmen. Mittlerweile sind praktisch überall Einwegspritzen im Einsatz, trotzdem ist auf Hygiene zu achten.
Wichtig: Sollten Sie erst nach der Rückkehr in Europa Malariaverdacht haben, fragen Sie unbedingt Ihren behandelnden Arzt, wie lange die Laboruntersuchung dauert. Sollte das Ergebnis nicht am nächsten Tag vorliegen unbedingt einen Tropenarzt aufsuchen. Scheuen Sie sich nicht bei auftretendem Fieber auch mitten in der Nacht ein Krankenhaus aufzusuchen.
Sollten Sie Prophylaxe eingenommen haben, kommt es durchaus erst Wochen nach der Beendigung zum Ausbruch einer Malaria. Da dann die Afrikareise häufig bereits zwei Monate zurück liegt, ist der Zusammenhang nicht auf den ersten Blick erkennbar.
Eine Prophylaxe mit Chloroquin + evtl. Paludrine läßt die Malaria i.d.R. schwächer verlaufen, deshalb kann auch leichtes Fieber ein Anzeichen für Malaria sein. Da die Anzahl der Erreger durch die Prophylaxe gering gehalten wird, wird meist bei einer Blutuntersuchung keine Malaria festgestellt. Bei anhaltend leichtem Fieber hilft dann nur ein Absetzen der Prophylaxe um einen gesicherten Bluttest durchzuführen.

Hilfe zur Selbstindikation:
  1. Bin ich bereits mindestens 7 Tage im Malariagebiet ?
  2. Stimmen die Symptome wie Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Rückenschmerzen
    und Fieber ? (nicht immer treten Schmerzen auf aber immer Fieber)
  3. Fehlen Grippemerkmale wie Schnupfen oder Halsweh ?

Malariatest
In Deutschland gibt es MALAQUICK, einen Malaria-Schnelltest zur Erkennung von Malaria Tropica und tertiana. Leider nur 6 - 12 Monate haltbar bei max. 37 Grad und relativ teuer (ca. 36 Euro). Im südlichen Afrika erhält man ebenfalls einen Schnelltest für ca. 5 USD, allerdings nur für Malaria Tropica.

Die Malaria-Arten

Malaria tropica / M.cerebral (Erreger = Plasmodium falciparum)
Die am häufigsten im südlichen Afrika vorkommende Malariaart (ca. 90% aller Fälle)
Vom Stich bis zu den ersten Symptomen (Inkubationszeit) vergehen ca. 6 bis 14 Tage.
Danach Abgeschlagenheit,Gliederschmerzen,Rückenschmerzen und Fieber. Das Fieber verläuft unregelmäßig, durchaus bis über 41 Grad.
Sehr schneller Fieberanstieg; häufig mit Schüttelfrost noch bevor das Fieber richtig beginnt.
Meist geht das Fieber nach ca. 8 Std wieder auf unter 38 Grad zurück.
Gelegentlich mit Durchfall verbunden.
Die befallenen Erythrozyten lagern sich an den Gefäßwänden an und begünstigen Trombenbildung.
Dadurch wird die Organdurchblutung gestört bis hin zum Versagen von Nieren und anderen Organen, beziehungsweise Gehirnstörungen. Dies klingt sehr dramatisch, doch bei einer schnellen Behandlung ist die M.tropica voll ausheilbar.
Im Gegensatz zu vielen deutschen Ärzten sind wir der Meinung, daß man bei auftretendem Fieber mit den genannten Symptomen im südlichen Afrika immer von einer Malaria auszugehen hat und unverzüglich notfalls auch ohne gesicherte Diagnose mit einer Malariabehandlung beginnen sollte.
Die meisten Komplikationen und Todesfälle treten durch eine Verschleppung der Malaria tropica auf !! Unbehandelt führt die Malaria Tropica in ca. 30 % der Fälle zum Tod.

Malaria tertiana / (Erreger = Plasmodium Vivax)
Inkubationszeit 12 bis 20 Tage.
Erste Symptome wie bei Malaria tropica. Danach jedoch regelmäßige Fieberschübe alle 48 Std. d.h. jeden dritten Tag. Dazwischen ist man praktisch fieberfrei.
Die Ausschüttung der Merozoiten aus der Leber ins Blut erfolgt synchronisiert. Die befallenen Erytrozyten zerfallen, wovon die Fieberschübe ausgelöst werden.
Einige Sporozoiten überleben als sogenannte Hypnozoiten in der Leber, vermehren sich oft erst nach Jahren und führen dann zu erneuten Anfällen.
Um ein Überleben der Erreger in der Leber zu verhindern, sollte nach der allgemeinen Behandlung zusätzlich noch Primaquin eingenommen werden.

Malaria quartana (Erreger = Plasmodium malariae)
Verlauf wie bei M.tertiana, jedoch Fieber jeden 4.Tag.
 

Die Malaria-Medikamente:

Markenname

Wirkstoff

Vorbeuge-
Tauglichkeit

Beschreibung

Malarone

Atovaquon +
Proguanil

 ja

Zur Vorsorge gegen M.tropica. Die Wirksamkeit gegen andere Malariaformen ist noch nicht genügend nachgewiesen.Malarone wurde im Mai 2001 in Deutschland zur Prophylaxe zugelassen. Kaum Nebenwirkungen, allerdings sehr teuer (ca. 58 Euro für 12 Tabletten, pro Tag braucht ein Erwachsener 1 Tab.). Derzeit nur für Reisen bis 1 Monat zugelassen. Beginn der Einnahme einen Tag vor Beginn der Reise. Es gibt leider schon Gebiete (speziell östliches Afrika) mit Resistenzen .

Lariam
Mephaquin

Mefloquin

ja

Selbst bei der Prophylaxe gibt es relativ häufig neuro-psychatrische Nebenwirkungen. Nicht wenige verderben sich durch Lariam den Spaß an der Reise durch Angstzustände, Schlaflosigkeit etc., Frauen scheinen stärker betroffen zu sein. Personen mit psychischen Erkrankungen sollten generell auf Lariam verzichten. Weitere Nebenwirkungen sind Beeinträchtigungen der räumlichen Orientierung. Bei einer Einnahme zur Therapie einer Malaria kommt es oft auch bei psychisch stabilen Menschen zu massiven Nebenwirkungen, wie Schlafstörungen, Angstneurosen, Schwindel. Bei einer Behandlung mit Lariam können die psychischen Probleme bis zu einem Jahr andauern (Existenzängste, Depressionen). Lariam darf ab dem 4. Schwangerschaftsmonat zur Prophlaxe verwendet werden.Ist aber noch immer das bestwirkende Mittel zur Prophylaxe.

Halfan

Halofantril

nein

Halfan kann in seltenen Fällen zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen und sollte daher nur unter klinischer Überwachung eingesetzt werden (vorab EKG zur Prüfung der QT-Zeit).Das Mittel ist hochwirksam und hat normalerweise kaum Nebenwirkungen.Wird in Deuschland nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt. Nicht zusammen mit Mefloquin,Chinin,Chloroquin einnehmen.

Resochin
(Weimerquin)
(Malaquin)
(Nivaquin)

Chloroquin-
phosphat

ja

Wurde früher für Botswana,Südafrika und Namibia zusammen mit Paludrin als Prophylaxe vorgeschlagen. Cloroquin kann auch von Schwangeren verwendet werden. Schädigung der Netzhaut in seltenen Fällen bei Einnahme über mehrere Jahre. Das Mittel ist in einigen Ländern des südlichen Afrika nicht mehr erhältlich.

Paludrine

Proguanil

ja

Wird in Kombination mit Chloroquin als Prophylaxe verwendet. Kann auch von Schwangeren verwendet werden.

Savarine

Chloroquin-
phosphat+
Proguanil

ja

Fertige Kombination von Chloroquin und Proguanil.

Fansidar

Sulfadoxin/
Pyrimethamin

nein

 In Deutschland ist dieses Mittel nicht mehr zugelassen.

Doxycyclin
Vibramycin
Supracyclin

 

Doxycyclin

ja

Ist eigentlich ein Antibiotikum und wird in Gebieten mit Chloroquin- und Mefloquinresistenzen verwendet. Von der WHO bereits empfohlen, wird in Deutschland erst sehr zögerlich verschrieben. Nicht für Schwangere einsetzbar. Nicht länger als drei Monate einzusetzen. Erhöhte Sonnenempfindlichkeit.

Artenam

ß-Artemether

nein

In Afrika wird es bereits standardmäßig eingesetzt. Ist synthetisch gewonnenes Arthemeter. Artenam wird in Belgien hergestellt. Sehr gut verträglich, mindert auch die Begleiterscheinungen der Malaria, wie Schüttelfrost und Rückenschmerzen.In Afrika hört man häufig, dass man eine Woche nach der ersten Kur eine zweite folgen lassen solle. Wir vermuten, dass die Dosierung stärker an das Körpergewicht angepasst werden sollte.

Riamet bzw.
Coartem

Artemether +
Lumefantrin

nein

Seit Juli 2001 in Deutschland erhältlich. Zur Behandlung der unkomplizierten Malaria tropica. Gut verträglich und daher auch für Kinder anwendbar. Riamet wurde von der WHO in die Liste der essenziellen Heilmittel aufgenommen. Dies ist erst das dritte Mal, dass der Expoertenausschuss der WHO ein patentgeschütztes Marken-Pharmazeutikum in seine Liste aufnimmt, die vielen Entwicklungsländern als nationale Referenzliste dient. Die Aufnahme in die Liste erfolgt erst nach gründlicher Überprüfung und bestätigt die Sicherheit und Wirksamkeit von Riamet.

Plasmotrim

Artesunate

nein

Zur Behandlung der unkomplizierten Malaria, als Rectcap zur Behandlung komplizierter, insbesondere zerebraler Malaria. Toataldosis bei erwachsenene 1200 mg über 5 Tage.

Chinin-HCI

Chinin

nein

Wird als letztes Mittel zur Behandlung eingesetzt, wenn alle anderen Mittel versagt haben. Unangenehme Nebenwirkungen wie Ohrenausen, Sehstörungen.

Deltaprim

Pyrimethamin/
Dapsone

ja

 Deltaprim erhält man in den Apotheken im südlichen Afrika und wird dort zur Prophylaxe gegen Malaria Tropica eingesetzt.

Tafenoquin

 

ja

Weiterentwicklung von Primaquin. Noch in der Erprobung.

Primaquin

 

nein

Wird nur zur Nachbehandlung bei M. terziana verwendet, um ein Einnisten in der Leber zu verhindern. In Europa nicht zugelassen.

Die Therapie der Malaria
Die Malaria terciana oder quartana wird nach wie vor mit Chloroquin behandelt.
Bei einer Malaria tropica werden Sie in Deutschland normalerweise stationär mit Lariam behandelt, mittlerweile werden auf Wunsch auch andere Mittel wie Malarone oder Artenam verwendet. Wir raten wegen der massiven Langzeitnebenwirkungen von Lariam ab !
Bei einer Behandlung in Afrika erhalten Sie in einfachen Krankenhäusern häufig erst Chloroquin. Falls dies nicht anschlägt, Fansidar; und wenn auch dies nicht hilft, Chinin. Mittlerweile wird verstärkt Artenam eingesetzt. Häufig erhalten Sie zusätzlich Antibiotika und Vitamintabletten. Dies geschieht im Hinblick auf den normalerweise schlechten Allgemeinzustand der einheimischen Bevölkerung.
Teilen Sie dem Arzt vor Ort mit, daß Sie eigene Malariamittel zur Verfügung stellen können.
Einen Tag nach Einnahme des jeweiligen Therapiemittels sollten Sie fieberfrei sein, nur noch leicht erhöhte Temperatur haben. Haufig tritt speziell bei Männern starkes Schwitzen beim Entfiebern auf.

Prophylaxe
Für das südliche Afrika wird in Deutschland entweder Lariam oder Resochin mit Paludrin verordnet. Auf Anfrage oder bei Unverträglichkeit gegen Lariam auch Doxycyclin. Mittlerweile steht als leider teure Alternative auch Malarone zur Verfügung.

Saisonelle und geographische Malariagefährdung im südlichen Afrika
Grob gesagt gilt: zu Beginn der Regenzeit im November steigt das Risiko an, am schlimmsten ist es dann zwischen Januar und Mai, ab Juli bis Oktober deutlich niedrigeres Risiko. Nördlich des 20. Breitengrades und in tiefliegenden Gebieten bleibt aber ein ganzjähriges Risiko. Das zentrale Hochland in Zimbabwe gilt als wenig riskant. In Botswana gilt der Bereich südlich von Maun in der Regenzeit als schwaches und in der Trockenzeit als malariafreies Gebiet. Als ganzjährig riskante Gebiete gelten vor allem der Bereich Malawisee sowie Vic/Falls-Livingstone und Kariba. 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Beitrag wurde von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert, ersetzt aber keine fachärztliche Beratung!

 

Impressum
Ilona Hupe Verlag, Ilona Hupe, Volkartstr. 2,
80634 München, Deutschland
Tel. +49-89-16783783 Fax 1684474, Email info@hupeverlag.de
Ust-IdNr: DE 179348838